Happy Birthday Eden

Wir können einen hohen Geburtstag feiern, denn Eden wird heute 133 Jahre alt. Unsere Genossenschaft wurde am 28. Mai 1893 in Berlin gegründet. Was bewog die Menschen der ersten Stunde zu diesem Schritt und wie sah es im Gründungsjahr weltweit, in Deutschland und in Berlin aus?
Über den großen Teich, nämlich in Chicago, fand die bis dahin größte Weltausstellung statt, ein Börsenkrach brachte den USA viel Unheil, denn Pleiten und Massenarbeitslosigkeit folgten. In Neuseeland wurde das Wahlrecht für Frauen beschlossen und in Deutschland die Mitteleuropäische Zeit eingeführt. Im Juni fand die Reichstagswahl statt, bei der die Sozialdemokraten die Nase vorn hatten und Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit entstanden. Unter den Linden in Berlin wurde Edward Munchs Gemälde „Der Schrei“ ausgestellt, Karl May veröffentlicht die ersten drei Bände seines Winnetou-Romanes und Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ kam in Weimar zur Uraufführung. Walter Ulbricht und Hans Fallada werden geboren und Peter Tschaikowski stirbt Ende des Jahres mit 53 Jahren in Sankt Petersburg. Rudolf Diesel meldete das Patent für seinen Verbrennungsmotor an und die Eröffnung der Bahnverbindung Schönholz – Velten – Kremmen fand statt. Zwei Physiker erstellten die erste Fotozelle, die Sonnenstrahlung in Elektrizität umwandeln konnte.
Es war die Zeit der Industrialisierung, Ballungsgebiete entstanden, Großstädte platzten aus allen Nähten. Menschen verließen die ländlichen Regionen und drängten so auch nach Berlin. Die Stadt im deutschen Kaiserreich war zu einer Metropole herangewachsen, hier lebten inzwischen über 1,6 Millionen Menschen. Prachtvolle Häuser und breite Alleen zeugten vom Wohlstand der Stadt. Auch die Kultur hatte sich entwickelt und moderne Ansichten kamen auf. Kunstausstellungen, Theaterveranstaltungen, Sportvereine, Biergärten und das Nachtleben boomten. Auf den Straßen war reges Treiben, die Menschen waren zu Fuß oder per Droschken und Straßenbahnen unterwegs, die von tausenden Pferden gezogen wurden.
Das Bürgertum lebte gut, doch da gab es auch noch die andere Seite. In den Arbeiterbezirken war es dunkel, eng und armselig und es herrschte soziale Not. Die Menschen lebten auf kleinstem Raum in hohen Mietskasernen. Sie fanden Arbeit in den Fabriken, die die neuen Industriestandorte zu bieten hatten. Harte Arbeit für wenig Geld und lange Arbeitszeiten. Die Stadt war übervoll und laut geworden und unzählige Schornsteine und Dampflokomotiven verunreinigten die Luft.

Und dann gab es auch die Menschen, die einen anderen Blick auf die Dinge hatten und deren Motto: Raus auf‘s Land lautete. Es waren Menschen aus gut bürgerlichen Kreisen: Ärzte, Anwälte und Kaufleute. Sie wollten dem Ganzen der Großstadt entfliehen, ihr Leben reformieren, in Gemeinschaft gesund leben, sich vegetarisch ernähren und das Obst und Gemüse in ihren Gärten selbst anbauen. Vor den Toren Berlins inmitten der sandigen Mark, eine Eisenbahnstunde von Berlin, ¾ Wegstunde vom Bahnhof Oranienburg fanden sie bezahlbares Land, das eine karge Schafweide war.
Um dann Nägel mit Köpfen zu machen, wurde am Pfingstsonntag, dem 28. Mai 1893, zur Gründung der Vegetarischen Obstbaukolonie Eden e.G.m.H. von dem Kaufmann und Lebensreformer Bruno Wilhelmi einberufen. Vor der Sitzung gab es einen Vororttermin, um EDEN zu besichtigen. August Hanker, Edens erster Gärtner, war dabei und berichtete wie folgt davon:
Herr Wilhelmi lud mich … zur Besichtigung des Geländes ein, das für Siedlungszwecke gekauft werden sollte. Wohl an zwanzig Mann kamen wir nach Oranienburg. Herr Wilhelmi übernahm die Führung vom Bahnhof durch den Schlossgarten bis nach dem Gut Luisenhof … . Dort wurden uns vom damaligen Inspektor Maier … Brunnenwasserproben gereicht. Dann gingen wir die Grenzen des uns angebotenen 175 Morgen großen Grundstückes … ab. Das Grundstück bestand aus etwa einem Drittel Morgen Ackerland, an der Straße gelegen; das übrige Land war ungepflegte Wiese. Darauf standen ein kleiner Schuppen, seitwärts davon ein verfallender Holzbrunnen, ein wilder Sauerkirschbaum und längs des Grenzgrabens, am jetzigen Südweg, einige Weidenbüsche. Auf der Rückfahrt nach Berlin gab ich mein negatives Gutachten ab. Dabei sagte uns Wilhelmi, er hätte drei Angebote; erstens Luisenhof, zweitens Lehnitz (Gebr. Grütter), drittens das Land, das wir besichtigt hatten, das aber am billigsten wäre. … Wilhelmi lud mich ein, an der Gründungs-Versammlung der „Vegetarischen Obstbaukolonie Eden“ … teilzunehmen. Ich konnte aber nicht dabei sein…
Am Nachmittag trafen sich die Gründer im vegetarischen Restaurant Ceres in der Paulstr. 1 in Berlin- Moabit. Laut Protokoll dauerte die Sitzung von 3 ½ nachmittags bis 11 Uhr nachts. Der Name EDEN kam von Frau Wilhelmi, die diesen geträumt hatte.
In der Festschrift >> Eden – 25 Jahre Obstbausiedlung << werden die Anfänge Edens so beschrieben:
Schon lange vor Eden waren in Deutschland, der Schweiz, selbst im Orient immer wieder Versuche gemacht worden, vegetarische Siedlungen ins Leben zu rufen. Dass Eden diese Bestrebungen mit dem Grundsatz des gemeinsamen Bodenbesitzes verband und dauernd an diesem Grundsatz festhielt, das war eine große Tat, die starke Stütze seiner Kraft, und wurde entscheidend für sein Geschick.
Wie schwer es anfangs war, Edens Ziele klar und sicher festzulegen, das bewies die erste satzungsgebende Versammlung, die ungeachtet der Vorarbeiten eine fast achtstündige Beratung zeitigte. Der Antrag, die Satzungen möglichst getreu denen von Heimgarten zu gestalten, wurde abgelehnt, und Wilhelmis Entwurf nach vielen Seiten gründlich abgeändert.
Die erste Sitzung des gewählten Vorstandes und Aufsichtsrates fand schon 8 Tage danach statt, denn die Landfrage drängte. Der Besitzer stellte die Bedingung, dass bis 1. Juli das Land gekauft sein müsste. Hier stellten sich aber auch schon die ersten Sorgen Edens ein, denn war auch der Preis des Landes (225 M. für den Morgen) mäßig zu nennen, so stand doch die erforderliche Kaufsumme für die Fläche von 160 Morgen, die man zunächst besiedeln wollte, nicht zur Verfügung. Statt der erforderlichen Anzahlung von 18000 M. lagen nur 3000 M. bereit, und die „schleunige“ Einzahlung der gezeichneten Geschäftsanteile wurde dringend gefordert. Da auch bei der zweiten Sitzung der Körperschaften noch nicht mehr als 3000 M. aufgebracht waren, so sollte zunächst diese Summe in Pfand gegeben und der Vertrag vorläufig abgeschlossen werden. Sollte doch schon im Winter mit den ersten Arbeiten begonnen werden, damit im Frühjahr die ersten Pflanzungen gemacht werden konnten!
Am 12. Juni erfolgte die gerichtliche Eintragung der Genossenschaft und am 12. Juli wurde der Kauf abgeschlossen. Am 25. August war die Zahl der angemeldeten Genossen bereits auf 26 gestiegen und in der Sitzung vom 14. September wurde der erste Plan zur Aufteilung … vorgelegt und genehmigt. Das der Besiedelung erschlossene Gelände wurde in einzelne „Heimstätten“ von 2800 qm (40 x 70 m) aufgeteilt.
Noch ehe mit den Anpflanzungen der Anfang gemacht werden konnte, begannen die Schwierigkeiten, die aus der Wahl des Geländes erwuchsen, schwere Sorge zu bereiten. In der Sitzung am 21. Oktober musste die Befürchtung geäußert werden, dass wegen zu hohen Grundwasserstandes einzelne Teile zum Obstbau sich untauglich erweisen würden. … Man musste zur Hügelpflanzung greifen und einzelne Teile, nach holländischem Vorbild, durch Aushebung von Gräben nutzbar machen, indem man den ausgehobenen Boden zur Anhöhung der zwischenliegenden Landstreifen benutzte. Der Boden des Geländes – Urstromtal der Havel – besteht aus humosem Sand, der stellenweise Lehm- und Mergeleinlagen aufweist. Die ersten Siedler waren meist Laien im Gartenbau. Erst nach und nach, im Laufe der ersten 10 – 15 Jahre, ist das Wissen und Können an der Arbeit selbst erstarkt und durch Zuzug sachverständiger Siedler auf seine jetzige Höhe gebracht worden.
Das Klima wurde von Pessimisten als viel zu kühl bezeichnet; hier sei ja „neun Monate im Jahr Winter“. Richtig an dieser Beurteilung ist soviel, dass hier nur bestimmte Obstsorten mit Erfolg angebaut werden konnten. … Tatsächlich hat das Klima nicht gehindert, dass hier edelste Obstsorten und höchst aromatische Erdbeeren angebaut werden konnten. Ehe die Siedlung „eingewachsen“ war, gab es noch manchen harten Kampf mit den Frühjahrsfrösten, die oft die erste Blüte wegrafften, und mit den Herbststürmen, die viel noch nicht ganz ausgereiftes Obst von den Bäumen schüttelten. Nachdem die Einteilung des Geländes festgelegt war, konnten zu Weihnachten 1893 vom Vorstand und Aufsichtsrat die ersten Abteilungen besichtigt werden.
Im Januar 1894 wurde der Geschäftsführer Wilhelmi mit einem Jahresgehalt von 2400 Mark angestellt, einem Gehalt, das späteren Geschäftsführern wesentlich verringert werden musste, weil die junge Genossenschaft es zunächst noch nicht aufzubringen vermochte. Der erste Gärtner andererseits musste sich mit einem Gehalt von 800 M. genügen. Wie langsam die Genossenschaft vorwärts kam, zeigt die Tatsache, dass erst 7 Monate nach der Gründung es dem Geschäftsführer möglich war, sich eine Schreibhilfe zu leisten, und auch diese vorläufig nur in Gestalt eines Schulkindes.
Als erstes genossenschaftliches Gebäude wurde ein Wirtschaftsschuppen errichtet und ein Jahr nach der Gründung waren bereits 22 Heimstätten verpachtet. Am 24. Juni 1894 wurde das erste Stiftungsfest unter lebhafter Beteiligung (130 Personen) gefeiert.

Quellen: Internet, Edener Mitteilungen Mai/Juni 1933 und Festschrift “Eden – 25 Jahre Obstbausiedlung” aus dem Jahre 1920