Eden damals: Der Bootshafen

Bootshafen Eden (Foto Erich Polster 1942)
Edener Bootshafen – Idyllische Kindheitserinnerung
In einer Werbebroschüre der Stadt Oranienburg aus dem Jahr 1935 steht u.a. zu Eden: “Im Osten der Siedlung liegen ausgedehnte Grünflächen mit Strand und Badebecken, den Bootshafen und einer Verbindung zu den märkischen Wasserstraßen.”
Hier werden Kindheitserinnerungen wach, denn im Bootshafen haben über Jahrzehnte hinweg viele Edener Kinder das Schwimmen gelernt oder auch nur fröhlich gebadet. Heilwig K. erinnerte sich einst: “Kindheit in Eden: Baden im Bootshafen. Ein langer Weg dorthin. Barfuß auf heißem Sand hüpften wir von Grasbüschel zu Grasbüschel am Rand der Wege. Hungrig angekommen wurden erst mal die zerflossenen Sirupstullen aus durchweichtem Brotpapier ausgepackt. Dann stürzten wir uns ins dunkle Gewässer. Eine Schwimmerin wurde ich nie!”
Viele Edener Familien hatten ein Boot und waren damit gern und oft unterwegs. Der Bootsbetrieb ist weiterhin aktiv, doch gebadet wird hier nun schon lange nicht mehr.

Oranienburger Kanal von anno dazumal – Landschaft bei Eden
Edener Bootshafen – eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme Anfang der 1930er Jahre
Den Edener Bootshafen gibt es nicht schon immer, sondern erst seit Beginn der 1930er Jahre. Seine Entstehung war sozusagen eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in einer Zeit der großen Arbeitslosigkeit in Deutschland. Auch Edener Genossen waren davon betroffen. So machte die Eden-Genossenschaft Nägel mit Köpfen und schuf mit dem Bau des Bootshafens Arbeitsplätze. Federführend war hierbei der Geschäftsführer Fritz Hampke. Um das Ganze finanzieren zu können, verzichteten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Edener Betriebe im Jahr 1932 auf 20 % ihres Gehaltes.
Ehe der Sandboden auf 2 bzw. 3 Meter ausgehoben werden konnte, musste zunächst viel Grundwasser aus dem Areal des zukünftigen Bootshafens und Badebeckens in den Oranienburger Kanal gepumpt werden. Zum Oranienburger Kanal entstanden eine schmale Kanalverbindung sowie eine Brücke darüber. Der sichere Plansch-Bereich für die Kinder wurde mit einem langen Bootssteg von der übrigen Anlage abgetrennt.
Wer alles genauer wissen möchte, kann nun den Bericht aus dem Jahr 1932 lesen, der in den Edener Mitteilungen damals veröffentlicht wurde:
Edener Notstandsarbeit
Bevor noch die Notverordnungen herauskamen, hat der Vorstand von Eden entsprechende Wirtschaftsmaßnahmen getroffen. Eden stellt grundsätzlich den Menschen v o r Geld und Maschine. Es will den Volksgenossen, die bodenlos, obdachlos und arbeitslos geworden sind, wieder bodenständig machen, ihnen eine Heimstätte zur Familiengründung, Arbeit auf eigener Landfläche und zusätzlicher Arbeit in den Edener Genossenschaftsbetrieben (Kurzarbeit) geben.
Nun sind inzwischen viele Edener Genossen, die bisher neben der Bearbeitung der eigenen Landfläche in auswärtigen Betrieben beschäftigt waren, arbeitslos geworden. Der Vorstand wollte diese Genossen aus ihrer infolge der Arbeitslosigkeit unglücklichen Lage befreien und sie dem Arbeits-Prozess erhalten. Dazu gehörte jedoch Geld, und vor allem die geeignete Arbeitsmöglichkeit.
Um Geld für Notstandsarbeiten der Edener Arbeitslosen flüssig zu machen, willigten alle in den Edener Genossenschaftsbetrieben beschäftigten Kopf- und Handarbeiter in eine besondere Gehalts- und Lohnkürzung von 10 v. H. sofort ein und verzichteten auf die übliche zehnprozentige Jahresnachvergütung, ließen also ihre Löhne und Gehälter um insgesamt 20 v. H. für 1932 kürzen. Durch diese genossenschaftlich-gesinnungsmäßige Geldbeschaffung konnte ein größeres Arbeitsprogramm aufgestellt werden. Vor allen Dingen sollten instandgesetzt, beziehungsweise ausgeführt werden: 1. Wege, 2. Plätze und Anlagen, 3. Bootshafen und Badebecken auf dem Gelände am Oranienburger Kanal. – Dieses Gelände war bisher als Schuttabladeplatz an die Stadtgemeinde Oranienburg verpachtet gewesen.
Der Bau des Bootshafens und Badebeckens, also in erster Linie die Melioration des Geländes am Kanal hätte Eden durch eine Berliner Baggerfirma maschinell billiger und risikofreier ausführen lassen können. Doch gemäß der Edener Einstellung wurde der Spaten der Maschine vorgezogen und in erster Linie an die Genossen gedacht. Die Leitung der Arbeiten wurde einer Oranienburger Firma übertragen, während Kapital und Arbeitskräfte von der Genossenschaft gestellt wurden.

Bau des Bootshafens Anfang der 1930er Jahre
Die Arbeiten gestalteten sich zunächst so, dass ein Motor-Aggregat angesetzt wurde. Dieses pumpte aus vielen Brunnen Tag und Nacht das Grundwasser in starkem Strahl in den Kanal. Unmöglich hätten sonst die Sandmassen, in der Südost-Ecke auch Torf, bewegt werden können. So wurden sie trockenen Fußes in die Feldbahn verladen und auf tiefer gelegenes Gelände gefahren. Es entstand ein Rechteck von 58 x 38 Meter Flächenausmaß und 2 Meter Tiefe, das durch einen Kanal von rund 65 Meter Länge und 11 Meter Breite mit dem Oranienburger Kanal verbunden ist. Im Süden ist das Becken auf etwa 3 Meter vertieft, denn hier wird ein Sprungturm errichtet werden. Auf der westlichen Seite ist das Ufer auf 45 Meter Länge und 8 Meter verbreitet, damit hier die Kinder ungefährdet planschen können. Dieser Teil der Anlage ist vom dem tieferen durch einen 40 Meter langen Bootssteg abgegrenzt. An der Nordseite soll das Bootshaus erbaut werden. Es wird außer den Umkleideräumen eine Wohnung für den Wärter enthalten. Im Verlauf des Treidelweges längs des Oranienburger Kanals wurde eine Brücke über den von uns erbauten, oben erwähnten schmalen Kanal gebaut. Sie leitet hinüber zu den im Süden gelegenen Plätzen, die zum Turnen, Spielen und Lagern in Luft und Sonne einladen. Die Anlage ist schon jetzt, durch die bekannten guten Wege mit Eden verbunden, ein sonntäglicher Treffpunkt geworden. Wie schön wird’s erst im Sommer sein!
(EM Nr. 11/12 Nov./Dez. 1932)

Brücke über den Stichkanal zum Edener Bootshafen (Foto Jost Milde)

Ferien in Eden – Am Badebecken (Foto: Kurt Müller) Lohengrins “Zugvögel” bei ihrem Gastspiel im Edener Badebecken
Fotoquellen:
Foto 1: EM Nr. 52, März/April 2001, Foto 2: EM Nr. 10-12, Okt.-Dez. 1934, Foto 3: Edener Geschichtskreis Sept. 2008, Foto 4: EM 11/12 / Nov./ Dez. 1932, Foto 5: EM Nr. 9-12 / Sept.-Dez. 1933, Foto 6: EM Nr. 1, 1935