Hühnergeschichten
Im Laufe der Jahre haben wir immer mal wieder darüber nachgedacht, uns Hühner anzuschaffen. Doch es kam nie dazu. Inzwischen sind wir aber Hühnersitter geworden.
Kurz vor dem diesjährigen Osterfest zogen fünf hübsche Königsbergerinnen ins Hühnerhaus im Edener Garten unserer Kinder. Da die Kinder bald in den Urlaub fuhren, übernahmen wir die Versorgung der Tiere. Es waren somit insgesamt sieben Tiere, denn die rote Katzendame Felina und der schwarze Kater Ben gehören ebenfalls dazu. Die Hühner begannen allmählich Eier zu legen und erfreuten uns pünktlich zum Ostersonntag mit drei Eiern. Eigene Ostereier und noch dazu so frisch. Das hatten wir noch nie.
Im Laufe des Jahres wurden wir immer mal wieder mit der Betreuung der Hühner und Katzen beauftragt und im Sommer haben wir das Abendessen schon mal in den Garten der zu betreuenden Tiere verlegt, damit Hühner und Katzen etwas Gesellschaft hatten. Die Katzendame, streifte uns um die Beine oder holte sich auch auf unserem Schoß sitzend, ihre Streicheleinheiten. Der scheue Ben ließ sich nur durch Futter locken. Die fünf Hennen freuten sich ihres Lebens, da sie, wenn wir vor Ort waren, den Garten erobern durften.
Einmal hat ein Huhn sogar in unserem Garten „Urlaub“ gemacht. Es war in den Brutmodus geraten, doch da es keinen Hahn im Korbe gab, war die ganze Mühe umsonst. Das Huhn tat uns leid und wir nahmen es zu uns. Besorgten sogar Eier von einem Hühnerhof mit Hahn, welchen das Urlaubshuhn aber keinerlei Beachtung schenkte. Es blieb gern in unserer Nähe, wenn wir uns im Garten aufhielten. Doch als unsere Kinder bei uns ein schauten, flog das Huhn auf die Lehne des Stuhles, auf dem unsere Schwiegertochter saß, und wich ihr nicht mehr von der Seite. Das rührte unser Herz und wir brachten das Huhn wieder nach Hause zurück. Zurück zu ihren gackernden Freundinnen und in das gewohnte Umfeld. So ging es dem Huhn wieder gut und wir hatten unsere Lehre erhalten. Das Glucken hatte das Huhn inzwischen vergessen und es legte wieder Eier, was unsere Kinder freute.

Nichts destotrotz haben wir im Oktober wieder Hühner gesittet. Dieses Mal waren es drei Hühner im Nordweg. Wir ließen die Hühner auch hübsch zu Hause und besuchten sie zweimal täglich. Es waren brave Hühner, die den ganzen Tag über im Garten Auslauf hatten und sich abends gern auf die Stange bringen ließen. Diese Hühner hatten eine Vorliebe für von uns geknackte Wallnüsse, konnten wir feststellen. Jeden Tag schenkten sie uns drei Eier. Eines am Abend und zwei am Morgen. Und wir durften dort im Garten Nüsse und Quitten ernten. Das war ein wunderbarer Lohn für unser Hühnersittig.
Durch die Erlebnisse mit den Hühnern in diesem Jahr, erinnerte ich mich wieder an ein Buch aus meiner Kindheit in den 1960er Jahren, welches ich sogar noch habe. Das Hühnchen Sabinchen war zu faul zum Eierlegen und wurde erst ein fleißiges Huhn, als ihm der Kochtopf drohte. Mir haben als Kind die Bilder und die Texte in Versform gefallen. In der heutigen Zeit würde das nicht mehr so geschrieben werden, aber das Buch stammt aus den 1940 er Jahren. Also keine Buchempfehlung, sondern nur meine Kindheitserinnerung.
Und ich erinnere mich gern an die Kindheit in meinem Mecklenburger Dorf. Unsere Nachbarn hatten einen großen Bauernhof mit vielen Tieren. Auch mit vielen Hühnern. Ich war gern bei Tante Sternkiker und ihren Hühnern, die alle ein weißes Federkleid trugen. Gern sammelte ich die Eier aus den Nestern und gemeinsam brachten wir die Eier auf den Papppaletten in einem Handwagen zur Eiersammelstelle im Dorf. Im Gegenzug gab es dann Getreidekörner für die Fütterung der Hühner. Natürlich wurde auf dem Bauernhof auch geschlachtet und ich sehe noch ein Huhn kopflos um den Holzklotz laufen. Auch waren nicht immer alle Hähne freundlich, sondern einige aggressiv und einer landete sogar mal auf meinem Kopf. Am schönsten war es aber, wenn im Frühjahr die vielen kleinen Küken auf dem Hof waren. Für diese winzigen hellgelben Knäule gab es ein richtig schönes Kükenhaus. Dann war ich besonders gern dort und schaute den drolligen kleinen Tierchen zu, wie sie sich die Bauernhofwelt eroberten.
Das waren meine Hühnergeschichten von damals und heute. Habt ihr auch Geschichten vom lieben Federvieh zu erzählen? Dann macht es! Es werden sich sicher einige Mitmenschen darüber freuen.
In diesem Sinne grüßt euch Christiane
Eden, im November 2022

