Der goldene Schatz – Vom Honigschleudern in der Edener Kinderschule
Ein wahrhafter Schatz war das, der da so dickflüssig, goldglänzend und duftend aus der Schleuder in den gelben Eimer lief. Die Kinder hockten davor und ein Junge rief gleich: „Ich wünsche mir zum Geburtstag eine Schatztruhe voller Honig!“ und ein anderer wollte gleich eigene Bienen haben.
Welch ein Gewusel, Gekleckere und Geklebe und gleichzeitig ein so fröhliches und harmonisches Miteinander war das im Gartenhaus der Kinderschule Oberhavel.
Als Gast durfte ich beim Bienenatelier dabei sein, das einmal pro Woche im Schulgarten im Edener Volkmarweg stattfindet. An diesem Donnerstagnachmittag stand ein ganz besonderes Ereignis an, denn der Honig, den die Schulbienen in diesem Jahr eingetragen haben, sollte nun endlich geschleudert werden.
Draußen war dieser Septembertag mächtig heiß, doch in dem hübschen roten Holzhäuschen waren die Temperaturen gut auszuhalten. Die Tür musste fest geschlossen sein – aber nicht nur, damit die Wärme nicht ins Haus eindringen konnte, sondern auch um zu verhindern, dass sich die Bienen ihren Honig wieder zurückholen konnten.
Es gab viel zu tun. Pädagogin Wiebke, Pia, die FSJlerin, sowie Schulimker Andreas leiteten die zwölf Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren bei den dafür notwendigen Arbeiten an. Es waren einige kleine Imkerneulinge dabei, aber auch „alte Hasen“, die sich schon mit den Bienen und der Schulimkerei auskannten.
Zunächst gab es eine kleine Einführung. Weil die Entdecklungsgabel recht spitz ist und somit auch fürchterlich pieken kann, wurde darauf besonders hingewiesen. Sie kreiste in den Händen der Kinder eine Runde und wurde genau begutachtet. Und wer Honig schleudern will, muss sich zunächst auch ganz gründlich die Hände waschen. So bildete sich ganz selbstverständlich eine kleine Schlange vor dem Waschbecken.
Ja und dann konnte es losgehen! Die Beuten waren zuvor von den Erwachsenen vom Bienenstand im Schulgarten in das Gartenhaus gebracht worden. Die Kinder entnahmen die einzelnen Waben und stellten diese zum Entdeckeln auf eine Halterung unter der eine Wanne stand. Das Entdeckeln ist schon eine besondere Sache, denn sie ist – bildlich gesprochen – das Öffnen einer verschlossenen Speisekammertür!
Ganz vorsichtig und ohne zu tief in den Honig einzudringen, wird dann das Wachs abgetragen, damit der Honig frei wird. Ein kleiner Neuimker stellte mich auch sogleich an: „Hier muss mal jemand festhalten, sonst wackelt das so!“ und beim Arbeiten erklärte er mir dann selbstbewusst, dass er sich schon richtig gut mit Bienen auskennen würde.
Anschließend kamen zwei oder vier entdeckelte Waben hochkant in die boddichartige Honigschleuder. Mit viel Kraft wurde nun die Kurbel gedreht, damit die Schleuder in Bewegung kam. Zunächst wird ganz langsam angeschleudert und dann schnell und immer schneller gedreht, damit der ganze Honig aus den Waben herauskommen kann.
Als dann der Hahn an der Schleuder geöffnet wurde, floss der Honig durch ein Sieb in den davorstehenden Eimer. Die Kinder hockten drumherum und freuten sich über den herrlich goldenen zähflüssigen Honigstrahl.
“Wer mag denn Indianerkaugummi?“, wurde gefragt. Was ist denn das? Schnell war das geklärt, denn einige Jungimker wussten natürlich schon Bescheid. Indianerkaugummi ist mit Honig gefülltes Entdecklungswachs. Das wollten dann natürlich alle Kinder ausprobieren und kauten darauf herum, bis nur noch das ausgezutschte Wachs übrigblieb und ausgespuckt werden konnte. Aber Nachschub war ja ausreichend vorhanden.
Andreas erklärte dann das mit dem Wassergehalt des Honigs. Mit einem Refraktometer kann dieser ermittelt werden. Dazu wurde mit einem Löffel etwas Honig auf die Scheibe des Gerätes gegeben, einen Moment gewartet und dann schaute ein Kind nach dem anderen wie in ein Fernglas hinein und konnte viele Zahlen sehen und laut nennen. Der perfekte Richtwert beträgt 20 %. Unser Honig zeigte einen Wert von 17,5 %, was bedeutet, dass er eine prima Qualität hat.
Honigschleudern macht viel Arbeit und ist auch richtig anstrengend. Deshalb entschwand immer mal wieder ein Kind in den Schulgarten und kam dann voller Tatendrang zurück. Zwischendurch wurde schnell mal wieder ein bisschen von dem süßen Schatz genascht und zum Neutralisieren der Geschmacksnerven gab es Wasser, Brot und Obst.
Als der Honig aus den gelben Eimern durch ein Feinsieb in den großen Abfüllbehälter umgefüllt wurde, kam der Teil der ganzen Aktion, den die Kinder schon herbeigesehnt hatten. Nun durften sie sich selbst ein Gläschen Honig abfüllen. Da gab es kein Gedrängel. Immer wieder wurde ganz behutsam und konzentriert der Hahn aufgedreht und ein Miniglas darunter gehalten und im richtigen Moment dann schnell wieder zugedreht. Freude und auch etwas Stolz war von den Gesichtern der Imkerkinder abzulesen.
Draußen am Gartentisch malten sich dann einige Kinder noch ihr ganz persönliches Etikett für den kleinen Goldschatz im Glas.
Das war ein ganz besonderer Nachmittag für mich. Nicht nur lehrreich, sondern einfach berührend und so richtig schön.
In diesem Sinne grüßt euch Christiane






