Der Trauermantel vom Südweg
Trauermantel – Nymphalis antiopa
Als wir vor 32 Jahren unseren Garten im Edener Südweg gestalteten, gehörte neben Gemüsebeeten, Beerensträuchern, Kräutergarten, Obstbäumen, Karl-Foerster-Staudenbeet und Feuchtbiotop auch eine Schmetterlingswiese dazu, denn der Anblick von schwerelos tanzenden Faltern hat uns bereits in Kindertagen fasziniert. Wir pflanzten auf dem damals sandigen Boden Königskerzen, Disteln, Rote Fetthenne, Lavendel, Prachtscharte, Boretsch, Thymian, Oregano sowie Katzenpfötchen und bereits im folgenden Jahr konnten wir Zitronenfalter, Kleinen Fuchs, Distelfalter, Admiral und Tagpfauenauge beobachten. Diese Wiese blühte von Jahr zu Jahr üppiger und Schmetterlinge besuchten sie immer zahlreicher, obwohl doch in ganz Europa die Existenz der Falter gefährdet ist. Es dauerte ebenfalls nicht lange, bis sich im Kräutergarten eine Schwalbenschwanz-Raupe an den Blüten von Dill, Kümmel und Fenchel erfreute. Den geschlüpften Schmetterling entdeckten wir schließlich an unserem Sommerflieder. Und vor wenigen Wochen sahen wir zum ersten Mal einen inzwischen sehr seltenen Trauermantel, mit 70 Millimeter Spannweite einer der größten Falter in Deutschland und mit seiner Zeichnung auch einer der schönsten.
Trauermäntel ernähren sich allerdings nur selten von Blüten, sondern bevorzugen Baumsäfte und Fallobst. Und sie können sehr alt werden, denn sie schlüpfen Mitte Juli, überwintern bis zu den ersten warmen Frühlingstagen in Astlöchern oder Mauerspalten und fliegen wieder bis zur Paarungszeit im Juni. Schmetterlinge haben ja eigentlich sechs Beine, der Trauermantel dagegen nur vier, wie alle Arten der Edelfalter.
Unser Trauermantel saß minutenlang mit ausgebreiteten Flügeln am Rand einer Vogeltränke, um sich zu sonnen. Später flog er über unsere Köpfe hinweg, um sich wieder an die selbe Stelle niederzulassen. Und so war es uns möglich, diesen wunderschönen Schmetterling in aller Ruhe zu fotografieren.
Sabine und Robert, Südweg 430





